Fußball WM 2010 in Südafrika
Veranstalter: Südafrika
Weltmeister: Spanien
Vize-Weltmeister: Holland
3. Platz: Deutschland
4. Platz: Uruguay
Torschützenkönig: Thomas Müller (Deutschland) – 5 Tore
Teilnehmer: Europa (Niederlande, Deutschland, England, Spanien, Dänemark, Serbien, Italien, Portugal, Schweiz, Griechenland, Slowakei, Slowenien, Frankreich), Afrika (Südafrika, Ghana, Elfenbeinküste, Nigeria, Kamerun, Algerien) Asien (Australien, Japan, Südkorea, Nordkorea, Neuseeland) Südamerika (Brasilien, Paraguay, Chile, Uruguay, Argentinien), CONCACAF: (USA, Honduras, Mexiko)
Für immer abgespeichert bleiben im kollektiven deutschen Fußball-Gedächtnis das 4:1 im Achtelfinale gegen England und das 4:0 gegen Argentinien im Viertelfinale. Trotz des nicht gegebenen "Wembley-Tors" von Frank Lampard beim Stand von 2:1 erkannten die Briten die deutsche Überlegenheit fair an. Die Demontage der Gauchos, bei der Arne Friedrich sein erstes Länderspieltor gelang, wertete Löw als "unser bestes Spiel": "Diese Mannschaft mit 4:0 zu deklassieren, das war schon top." Erst im Halbfinale fand die deutsche Elf ihren Meister: 0:1 hieß es am Ende gegen die besser organisierten Spanier wie schon im Finale bei der Euro 2008. Löw bilanzierte realistisch: "Die Spanier haben uns mit ihrer Ball- und Passsicherheit den Nerv gezogen. Wir hatten nicht den Mut, uns bei Ballgewinnen selbst schnell zu lösen und auch mal ein Risiko einzugehen." Die DFB-Auswahl wird schließlich dank eines 3:2 gegen das Überraschungsteam aus Uruguay WM-Dritter. Die deutschen Sportjournalisten kürten Schweinsteiger & Co. später zur Mannschaft des Jahres, Bundespräsident Wulff verlieh den Spielern das Silberne Lorbeerblatt und dem Bundestrainer das Bundesverdienstkreuz.
Obwohl Südafrika als erster WM-Gastgeber überhaupt schon in der Vorrunde scheiterte, war die WM für das zerrissene Land ein Erfolg. "Wir haben vor allem gewonnen, weil wir endlich von einem 'Wir' sprechen konnten", bilanzierte der südafrikanische Schriftsteller Mark Gevisser. Das Turnier einte die Regenbogen-Nation mit ihren vielen ethnischen Gruppen. Alle feierten gemeinsam ihre "Bafana Bafana". Schon zwei Tage vor Anpfiff des Turniers säumten rund 200.000 südafrikanische Fans die Straßen Johannesburgs. Sie kletterten auf Bäume, Autos und Hausdächer, sorgten mit ihren Vuvuzelas für ohrenbetäubenden Lärm und feierten ihre Mannschaft, die in einem Doppeldecker-Bus an ihnen vorbeizog. Sportlich war für die Südafrikaner nach einem 1:1 im WM-Eröffnungsspiel gegen Mexiko, dem 0:3 gegen Uruguay und trotz des abschließenden 2:1 über Frankreich nach der Vorrunde Schluss. Das schlechtere Torverhältnis gegenüber Mexiko gab den Ausschlag. Trainer Carlos Alberto Perreira trat anschließend von seinem Posten zurück.
Von allen afrikanischen Teams am weitesten kam Ghana, das es erstmals in seiner Geschichte bis ins WM-Viertelfinale schaffte. Nach einer dramatischen Partie inklusive Verlängerung bezwang Uruguay die Black Stars 4:2 im Elfmeterschießen. Danach versanken die Ghanaer in einem Meer von Tränen. Denn bei der letzten Aktion vor dem Elfmeterschießen hatte Asamoah Gyan einen Handelfmeter an die Latte gesetzt. Luis Suarez hatte den Ball zuvor auf der Linie im Stile eines Torhüters abgewehrt und sah dafür die Rote Karte. "So ist Fußball", resümierte Ghanas serbischer Trainer Milovan Rajevac bitter.
Frankreichs Fußball erlebte eine Demütigung historischen Ausmaßes . Dabei waren die Franzosen selbst ihr ärgster Feind. Die Tageszeitung "Le Figaro" sprach von einem "unerträglichen Leidensweg für die Fans, denen nichts erspart geblieben" sei. Das peinliche Vorrunden-Aus nach einem 0:0 gegen Uruguay, 0:2 gegen Mexiko und 1:2 gegen Südafrika geriet ob der skandalösen Begleitumstände fast zur Nebensache. Nach obszönen Beschimpfungen gegen den ungeliebten Trainer Raymond Domenech wurde Stürmer Nicolas Anelka nach Hause geschickt. Die Mannschaft verweigerte daraufhin ein öffentliches Training. Delegationsleiter Jean-Louis Valentin war "angewidert" und trat zurück. Die Krise des französischen Fußballs weitete sich zur Staatsaffäre aus. Präsident Nicolas Sarkozy bestellte Kapitän Thierry Henry nach der Heimkehr des Teams zum Rapport. Anelka wurde für 18 Länderspiele gesperrt, Kapitän Patrice Evra für fünf und sein Vize Franck Ribéry für drei. Der geschasste Coach Domenech kartete noch ein halbes Jahr später nach: "Im Nachhinein sehe ich diese Mannschaft als eine Gruppe von verantwortungslosen kleinen Gören".
Ein schlimmes Desaster hatten auch die Italiener zu verkraften. Der Titelverteidiger scheiterte erstmals seit 1974 in der Vorrunde. Zwei Unentschieden und eine Niederlage in drei Gruppenspielen bedeuteten die miserabelste Bilanz Italiens bei einem Weltturnier. Zum überhaupt ersten Mal gewann die "Squaddra Azzurra" bei einer WM kein einziges Mal und schied als Tabellenletzter aus. Gleich nach dem 2:3 gegen die Slowakei verkündete Nationaltrainer Marcello Lippi seinen Rücktritt Seiner Favoritenrolle wurde auch Brasilien nicht gerecht. Die Südamerikaner spielten ein Turnier ohne echte Glanzlichter, scheiterten im Viertelfinale 1:2 an den Niederlanden. Für ein Kuriosum sorgten die Neuseeländer: Sie schieden als einzige Mannschaft nach der Vorrunde ungeschlagen aus.
Das große - sportlich enttäuschende - Finale bestritten Europameister Spanien und Holland. Nach 116 Minuten brachte Andres Iniesta den Ball im Tor der Niederländer unter, erzielte somit das späteste Siegtor aller Zeiten in einem WM-Finale. Die Spanier waren auch das erste Team, das trotz einer Niederlage im Auftaktspiel (0:1 gegen die Schweiz) Weltmeister wurde. Sie markierten dabei auch nur acht Tore, weniger als jeder Titelträger zuvor.
Stars: Thomas Müller holte sich mit 5 Toren den „Goldenen Schuh“, Diego Forlan (Uruguay) wurde zum besten Spieler des Turniers (Goldener Ball) gewählt. Weitere Spieler im Focus dieser WM waren Wesley Sneijder (Holland), David Villa (Spanien), Bastian Schweinsteiger (Deutschland), Mesut Özil (Deutschland), Iniesta (Spanien), Hernandez Xavi (Spanien), Arjen Robben (Holland) und Asamoah Gyan (Ghana).
Finalrunde



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