Fußball WM 1974 in Deutschland

Fußball WM 1974 in Deutschland
Veranstalter: Deutschland
Weltmeister: Deutschland
Vize-Weltmeister: Holland
3. Platz: Polen
4. Platz: Brasilien
Torschützenkönig: Grzegorz Lato (Polen) – 7 Tore
Teilnehmer: 16 (Argentinien, Australien, Brasilien, Bulgarien, Chile, DDR, Haiti, Italien, Holland, Polen, Schottland, Schweden, Uruguay, Deutschland, Jugoslawien, Zaire)

7. Juli in München, Anpfiff zum WM-Traumfinale Deutschland - Niederlande. Sekunden nach Spielbeginn drängt Cruyff in den Strafraum, wird von Hoeneß gefoult. Elfmeter - 1:0 durch Neeskens. Das Chaos regiert die deutsche Hintermannschaft. Cruyff & Co. sehen sich schon auf der Siegerstraße und werden überheblich. Wim van Hanegem sagt später: "Es störte uns nicht, wenn wir nur 1:0 gewannen, so lange wir sie demütigen konnten." Es war der Anfang vom niederländischen Ende.

Nach Hölzenbeins vermeintlicher "Schwalbe" verwandelt Breitner den Strafstoß zum 1:1. Zwei Minuten vor der Pause die Entscheidung: Flanke Bonhof, Müller stoppt den Ball mit dem Rücken zum Tor, dreht sich um sich selbst und jagt die Kugel an Torhüter Jongbloed vorbei in die Maschen. Es ist die Entscheidung, an der auch der Sturmlauf der Niederländer in der zweiten Hälfte nichts ändert. Deutschlands zweiter WM-Titel nach 1954 ist perfekt. Für Bundestrainer Helmut Schön, den "Mann mit der Mütze", ist es die Krönung seiner Karriere.

Dabei glaubt zuvor kaum noch jemand an den WM-Titel, als die bundesdeutsche Mannschaft im ersten Länderspiel überhaupt gegen die DDR 0:1 verliert. Millionen stockt der Atem, als Jürgen Sparwasser Sepp Maier überwindet. Der Treffer des Magdeburgers hebt die bundesdeutsche Fußballwelt aus den Angeln. Die DDR wird statt der Bundesrepublik Gruppenerster. Trainer Schön ist ratlos. Kapitän Beckenbauer beruft in der Sportschule Malente, dem deutschen WM-Quartier, eine nächtliche Krisensitzung ein, bei der es richtig kracht und Klartext geredet wird. Die Aussprache trägt Früchte. Es folgen das 2:0 gegen Jugoslawien, das 4:2 gegen Schweden, das 1:0 gegen Polen in der "Wasserschlacht" von Frankfurt und schließlich der Finalsieg. 

Dabei hätte kurz vor Turnierbeginn ein Riesenstreit um die WM-Prämien den BRD-Triumph fast verhindert. 30.000 D-Mark pro Mann will der DFB für den Titel zahlen und damit nur so viel wie für den dritten Platz bei der WM 1970. Es folgen beinharte Verhandlungen. Kapitän Beckenbauer droht mit Abreise der Mannschaft, Bundestrainer Schön will "mit diesem Sauhaufen nichts mehr zu tun haben". Die Lage in Malente steht vor der völligen Eskalation. Am Ende einigen sich die Streitparteien auf 70.000 D-Mark pro Spieler.

Die DDR hat nach dem historischen 1:0-Sieg über den "Klassenfeind" ihr Pulver verschossen, holt aus der zweiten Finalrunde nur noch einen Punkt. Dagegen begeistern die Polen. Die Mannschaft um Torjäger Lato zeigt frischen Offensiv-Fußball, siegt fünf Mal hintereinander, bis sie gegen die Bundesrepublik vergeblich um den Einzug ins Finale kämpft. Immerhin sichern sich die Osteuropäer Platz drei vor den enttäuschenden Brasilianern.

Stars: Grzegorz Lato (POL) erzielte 7 Tore und wurde Torschützenkönig, Johan Cruyff (NED), Gerd Müller (GER)

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